LucyintheSky
verschwendet nicht die zeit auf der suche nach hindernissen. es gibt vielleicht keine.

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Dangers of the Beach

Ich mag das Meer. Generell. Lieber mehr Meer als traumhaft weißer Sand. Der Golf hier an der Westküste Floridas ist meermäßig enttäuschend, dafür aber sind die Sonnenuntergänge phänomenal.

Das Wasser ist etwas zu warm, jetzt schon. Einfach zu flach. Ich kann hundert Meter weit rausschwimmen, aber immer noch den Grund berühren. Für manche hier ist das besonders gut.

Jenn rief mir zu: "Can you touch?" Ich war schon etwas weiter draußen, streckte ein Bein nach unten, reckte die Zehen und schrie zurück, daß ich endlich nicht mehr drankomme.
"Aren't you scared?" - sie blieb, wo sie war, traute sich nicht weiter raus.

Nein, natürlich fürchte ich mich nicht. Ich schwamm zurück und erklärte, mir mache es eher Angst, nicht zu wissen, was sich im Sand unter mir versteckt.
Hier gibt es Rochen, die üble Wunden verursachen, wenn man in den Stachel tritt, und natürlich alles mögliche an Getier, das einfach nur eklig ist. Glasscherben und anderer Müll machen mir auch Sorgen.

Steilküsten sind mir am liebsten, eine ruhige Stelle, wo ich leicht ins Wasser und sicher wieder herauskomme, und dann steil abfallender Grund, unergründliche Tiefen, über denen ich dahindriften kann – es ist fast wie Fliegen.
Ich weiß nicht warum, aber es beruhigt mich, möglichst viel Wasser um mich zu haben.

Wenn schon Strand, dann am liebsten mit richtigen Wellen. An der Pazifikküste in Guatemala war es an manchen Tagen ein Abenteuer, herauszuschwimmen. Die Wellen drückten mich immer wieder unter Wasser, preßten mich manchmal tief in den dunklen Sand, wirbelten mich umher, bis ich nicht mehr wußte, wo oben und unten war.

Nur ein paar Meter weiter draußen sind die Wellen harmlos, ich kann mich bequem auf das Wasser legen und mich schaukeln lassen, ausruhen für den anstrengenden Weg zurück an Land.

Vielleicht sollte ich manchmal Angst haben, es gibt Strömungen, die mich weit hinaustragen könnten.
Auch hier am Golf – es gibt Ebbe und Flut, und eine relativ starke Strömung südwärts, manchmal schwimme ich gegen sie an, den Strand zu meiner Rechten. Es ist anstrengend, überhaupt von der Stelle zu kommen, und wenn die Flut zuende geht, zieht das Meer mich auch etwas vom Strand weg.

Gestern wurde jemand von einem Hai gebissen. Nur ein Probehappen, er schmeckte wohl nicht, anscheinend brauchte es nur ein paar Stiche beim Notarzt und alles war in Ordnung. Seit 1880 das siebte Mal, das hier jemand von einem Hai verletzt wurde. Haie mögen den Golf nicht. Zu flach.
Natürlich war es ein Tourist aus Europa. Amerikanische Touristen planschen nur ein wenig im Wasser, wenn sie überhaupt ihre Strandtücher verlassen, sie schwimmen nicht hinaus. Soo weit draußen war er auch nicht, er konnte noch stehen.

Mir sagen die Leute, ich müsse vorsichtiger sein beim Schwimmen. Vielleicht haben sie Recht. Bloß hatte ich im Wasser noch nie ein Problem.

Letzte Woche bin ich in eines dieser hübschen Schneckenmuscheldinger getreten, die gern von Einsiedlerkrebsen benutzt werden. Später sieht man sie dann - aus dem Urlaub mitgebracht - in Omas Regal liegen. Manchmal werden sie an die Ohren der Enkel gedrückt, und Oma erklärt, man könne noch das Meer rauschen hören.

Meines war noch in der Prä-Einsiederkrebs-Phase. Vom Bauherrn selbst bewohnt. Ich weiß nicht genau, was das für Tiere sind, eine Art Deckel am Eingang war fest geschlossen, als ich es aus dem Sand zog. Natürlich hatte das spitze Ende senkrecht nach oben geragt, als ich meine Ferse hineinrammte. Ich glaubte zu spüren, daß Schneckenhaus auf Knochen knirschte.
Jenn war entsetzt, als ich es wieder ins Wasser warf. Es könne ja noch jemand hineintreten. Was sollte ich denn tun? Verotten lassen für Omas Regal?

Ich hinterließ scharlachrote Spuren, die mich an "American Beauty" erinnerten. Genau dieser Rotton. Die Szene am Schluß, der Kopf des Mannes in seinem Blut liegend, einer großen Lache auf dem Küchentisch. Die Farbe ist wunderschön. Sieht auch gut aus auf weißem Sand.
9.5.07 23:32
 
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