LucyintheSky
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silence is golden

zur zeit lese ich mal etwas auf deutsch: "das labyrinth" von gerhard roth

der erste teil war großartig, an den zweiten gewöhne ich mich gerade noch

was mich besonders begeisterte, waren die gedanken des ich-erzählers zum Schweigen... so sehr, daß ich die seite markierte und unbedingt meiner freundin davon erzählen mußte

interessant dabei auch: da ich zur zeit vor allem auf englisch denke, fiel mir beim lesen sofort auf, daß es kein englisches wort für schweigen gibt.

und wie faszinierend, daß wir überhaupt ein verb dafür haben! ein VERB dafür, etwas NICHT zu tun... quasi aktiv nicht zu sprechen

denn Schweigen kann es nicht geben, wenn niemand da ist, der sprechen könnte - dann wäre es Stille


Der Ich-Erzähler ist Psychiater in Wien, sitzt gern in Kaffeehäusern oder spaziert herum (ehrlich gesagt frage ich mich öfter, wann er denn arbeitet) und macht sich Gedanken.
Gedanken, die mich an meine eigenen Gedanken erinnnern, beispielsweise über Wahnsinn und Religion - ein wenig beneidet er die Wahnsinningen und die Religiösen und auch dieser Neid erinnert mich an meine eigene Wehmut - bei mir ist es kein Neid, es ist fast etwas wie Heimweh, ein leises Vermissen des Glaubens, der Überzeugung, der Gewißheit.

In seinem Nachdenken über Religion stieß der Erzähler immer wieder auf die Bedeutung des Schweigens, Schweigeklöster, Einsiedler.

"Schweigen zu können erschien mir als eine Fähigkeit, ein Geheimnis, eine Kraft."

Er erzählt von seinen Versuchen, seine Schweigekraft zu steigern, keine Antworten auf Fragen zu geben und Dinge im Raum stehen zu lassen. Dadurch lernt er, besser zuzuhören.

Auch das kenne ich von mir selbst. Ich habe die Angewohnheit, zu viel zu sprechen, und gehe manchmal bewußt dagegen an, übe mich im Schweigen.

"Wir sprechen ja nur, weil wir nichts verstehen. Je mehr wir verstehen, denke ich, desto weniger lohnt es sich zu reden. Das Sprechen ist eine Selbstsuche, ich gehe inzwischen sogar davon aus, daß Sprechen Lügen ist. (Mein Beruf hat mich dieses Theorem gelehrt.) (...) Zu mir kommen zumeist nur Patienten, die in der Lüge leben und die sich ihre Lügen von mir bestätigen lassen wollen. Je skrupelloser ein Psychiater ist, desto mehr geht er auf ihr Lügengewebe ein und hilft seinen Patienten, sich darin einzurichten."

Hier, in den USA und wahrscheinlich besonders im Süden, wird ständig geredet, meistens über nichts. Der Wahlkampf ist ein gutes Beispiel: Scheingefechte über Abtreibung und Homoehe, Themen, die eigentlich keine sind.

Ich übe mich also im Schweigen, höre zu, und ertappe mich dabei, das Verhältnis von Wortvolumen zu tatsächlichem Inhalt zu bestimmen.

Dann übe ich mich in Demut - wer bin ich denn, zu entscheiden, was wert ist, gesagt zu werden?

Was Wahrheit ist, was Lüge?


Aber um nicht durchzudrehen oder depressiv zu verstummen, nutze ich meine als Teenager entwickelte Schutzmaßnahme, die Arroganz, und maße mir an, die meisten Leute für arme Irre zu halten. Zumindest, bis sie mir das Gegenteil beweisen.
13.2.08 17:20


Werbung


und was mach ich die ganze zeit?

Zum Beispiel eine neue Website... um mich als Rolferin anzupreisen...
Blöderweise ist da noch nichts zu sehen, obwohl ich tagelang Texte geschrieben und formatiert habe. Heute mach ich weiter - zur Not muß ich auf irgendeiner hotline anrufen und mich mit inkompetenten Anrufbeantwortern herumärgern, damit die mir erklären warum die Freischaltung nicht funktioniert.
Kann bis zu 24 Stunden dauern, stand in der Infomail... nach nun fast drei Tagen dauert es immer noch.

Mir ist schon klar, daß es bessere Alternativen gibt als den Baukasten von web.de zu benutzen. Aber es ist billig, und erschien mir recht einfach - und ich kann momentan kein Geld für eine professionelle Seite ausgeben.

Und sonst?
Mit dem Einleben hier in Downtown Orlando (bitte nicht an Vergnügungsparks denken, das alte Stadtzentrum hat damit rein gar nichts zu tun - und ist tatsächlich alt für hiesige Verhältnisse) geht es gut voran, ich fühle mich nicht mehr fremd in der eigenen Wohnung und vor allem nicht mehr fremd in der Liebesbeziehung.
Sie macht es mir aber auch leicht...

Die ersten paar Wochen waren schwierig für mich, ich bin immer etwas desorientiert, wenn ich lange weg war, und natürlich ist es noch schwieriger, wenn ich plötzlich ganz woanders in einer anderen Situation zuhause bin.

Trotz der doofen Erkältung, die hier alle haben oder hatten (auch das Wetter war für ein paar Tage SEHR kalt, nachts ging es auf 5 Grad runter - Celsius natürlich, wir sind noch immer in Florida), bin ich sehr glücklich.

Ich habe ein Zimmer, daß ich für Behandlungen nutzen kann, und habe schon ein paar von Debo's Bekannten hier massiert - sie selbst bekommt bald Rolfing Session 3, und andere sind interessiert.
Es ist gut für mich, daß ich so gut massiere, denn es ist viel einfacher, jemanden eine Massage ausprobieren zu lassen, als sowas exotisches wie Rolfing

Soviel als kurzes Update...

Ansonsten habe ich mich eine Weile lang nicht gemeldet, aber ihr wißt ja, dann gehts mir meistens gut.

Fühlt Euch gedrückt!

Lu




------------------------------ nachtrag: Website funktioniert!

it's in english, of course... feedback welcome! just drop me a few lines so I know who you are.. I don't want to publish all my professional information here.... then I'll gladly send you the link
7.1.08 14:31


Hinterm Mond

Die letzten zwei Tage in Brasilien verbrachte ich auf Familienbesuch.

"Als ich damals von der Ausbildung zurückkam nach Sao Paulo," erzählt mir meine Tante, "war ich ganz schockiert von Deiner Mutter. Sie war damals 18 und ich dachte, meine Güte, die sieht ja aus, als hätte sie hinterm Mond gelebt. Ich habe ihr dann erstmal die Haare schöner geschnitten und dann sind wir zum Shopping gegangen."
Mit neuen Klamotten, Haarschnitt und Make-up war die kleine Schwester dann vorzeigbar, meine Tante war zufrieden. Das war 1962, und für meine Tante war die Welt in Ordnung.

Heute sieht meine gesamte Verwandtschaft in Sao Paulo aus wie von hinterm Mond. Ich war gewarnt, aber trotzdem schockiert. Meiner Tante sagte ich dies nur in Bezug auf meine inzwischen 42-jährige Cousine, die immer noch bei hren Eltern wohnt. Angeblich spart sie, um sich eine eigene Wohnung zu kaufen.

Für mich sieht es eher aus, als wäre der gesamte Haushalt in der Zeit stehengeblieben – vielleicht als mein jüngster Cousin (jetzt auch schon Enddreißiger) auszog. Er wählte den Ausweg einer frühen Heirat mit 20. Sein älterer Bruder war schon Jahre vorher nach Deutschland geflüchtet, seine Familie durfte jahrelang nicht einmal seine Adresse wissen. Meine Mutter hielt dicht – einer der vielen ungelösten Konflikte, die ich mir in den letzen Tagen anhören konnte. Für meine Tante sieht es aus, als hätten wir ihr den Sohn gestohlen. Er wohnte nicht bei uns bei Frankfurt, sondern studierte in Berlin, aber er kam oft zu Besuch.
Natürlich war es der Vater, der ihn aus dem Haus trieb, denn der ist am gesamten Elend meiner Tante schuld. Die Welt war in Ordnung, bis sie heiratete. Seitdem ist sie seine Gefangene.

Er hält auch die Tochter im Haus, wegen ihm ist sie nie ausgezogen, hat keine Liebesbeziehung und hat noch nie Brasilien verlassen, obwohl sie gern reist.
Meine Cousine redet davon, irgendwann in den Süden Brasiliens zu ziehen, wo es kühler und weniger gefährlich ist als in Sao Paulo.
Sie hat dabei den gleichen Tonfall wie ihre Mutter (also meine Tante), wenn die davon spricht, sich scheiden zu lassen.
Ich frage meine Cousine, warum sie nicht schon umgezogen sei und höre "man ist ja auch für die Familie verantwortlich". Unglaublich. Ihre Eltern sind zwar verrückt, aber kommen ohne weiteres allein klar.
Meine Tante spricht von Scheidung seit ungefähr 30 Jahren. Die ewige Ausrede war "wenn die Kinder aus dem Haus sind".

Das letzte Kind bewohnt nun alle drei Kinderzimmer. Die Türen sind immer zu, im Flur davor stapeln sich Kisten, verknotete Plastiktüten mit unerfindlichem Inhalt, Zeitschriftenstapel und Schuhe die aussehen, als wären sie auch vor fünfzehn Jahren nicht modern gewesen.
Ich frage meine Tante, ob die Cousine ihre Sachen aussortiert.

"Nein, das hat sie nur da stehengelassen… sie hat so viele Sachen, die Zimmer sind voll. Sie hat ja auch keine Zeit, die Arme mußte so viele Überstunden machen."
Ich kann mir nicht verkneifen, eine ihrer Türen zu öffnen, als niemand sonst im Haus ist. Kleiderberge, mehr Kartons, mehr Plastiktüten. Der Raum ist voll. Wahrscheinlich sehen die anderen beiden genauso aus.

Das Zimmer meines Onkels ist sehr ordentlich, aber auch dort stapeln sich Zeitschriften bis unter die Decke. Das Bett ist gemacht, aber die Decken und Kissen sind fadenscheinig und löchrig.
Im Zimmer seiner Frau sieht es aus wie in dem einen Kinderzimmer, das ich gesehen habe. Unordentliche Berge von Zeug, bloß hier steht mittendrin noch ein Bett.
Überall riecht es muffig. Es erinnert an Häuser von alten, sehr armen, aber ordentlichen Leuten, die nichts wegwerfen können.

Mein Onkel schleicht herum wie ein Geist, plötzlich erscheint er hinter mir, geht wortlos ins nächste der vielen Zimmer. Er schlurft ein wenig, eine Schulter ist immer hochgezogen. Er hat sich mit mir am Sonntagabend, als ich gerade ankam, unterhalten, mich über meine Pläne und meine Ausbildung befragt, mir einige Ratschläge erteilt und damit war ich entlassen. Die folgenden zwei Tage spricht er kaum noch mit mir, wahrscheinlich ist schon alles gesagt.

Auf dem Weg zum Flughafen streiten meine Tante und mein Onkel über den besten, kürzesten, oder schnellsten Weg. Das erleichtert mich. Zumindest in der letzten Stunde klingen sie wie ein ganz normales, altes Ehepaar.
15.12.07 02:14


15.12.07 02:17


bilder und so...

Also bevor Britta hier Geruechte verbreitet:

ich bin nach wie vor gluecklich verliebt, vermisse meine Freundin ein wenig (und das ist viel fuer meine Verhaeltnisse), sie mich viel, sie ist auf wohnungssuche fuer uns beide, damit ich dann auch bald ein zuhause habe, wenn ich wieder in florida bin.

ich bin nicht besonders gut in liebesgesuelze... das ist ja bekannt und habe das Knutschbild geloescht, weil ich es 1. nicht mehr sehen konnte und 2. hier sonst kein Platz fuer andere ist. Gibt naemlich nur 500KB.... und dann poste ich lieber immer mal wieder was aktuelles

muss noch einige verkleinern, damit mehr hier reinpasst... die regenbilder sind sowieso zu gross. ist bloss immer sehr umstaendlich... internetcafes gibts hier auch nicht.


der regen hat aufgehoert!!! juhuu!!! hoffentlich bleibts ein bisschen laenger schoen.
27.10.07 15:46


Rolfing im Regenwald



Es regnet. Schon seit über 2 Wochen. Die Geier, die immer von morgens bis mittags am Strand herumhängen, erinnern mich an alte Männer in eleganten schwarzen Regenmänteln. Sie sitzen mit gesenktem Kopf im Sand, werden naß und warten.

Wenigstens letzten Sonntag gab es wunderbares Strandwetter, ein Tag Pause vom Dauerregen.

Es ist paradiesisch schön hier. Direkt vor dem Haus haben wir fünf Meter hohen Bambus, Palmen, verschiedene Bäume, mir unbekannte Pflanzen mit riesigen Blättern und natürlich kleinere Pflanzen, die auf den größeren wachsen, alles durcheinander.

Der Weg zu dem Hotel, in dem der Unterricht stattfindet, führt über eine Holzbrücke, ein Stück am Strand entlang und dann durch ein paar kleine Gassen im Dorf. Der einzige gepflasterte Weg ist auf dem Hotelgelände, ansonsten sind es ca. 10 Minuten durch den Matsch.

Ich bin froh, daß wir in diesem kleinen Ort sind, vor allem, daß wir überall zu Fuß hinkönnen und keine Angst vor Überfällen haben müssen, aber bei Dauerregen wird es doch etwas trostlos. Ich beantworte meine Emails noch seltener als letzte Woche, weil ich einfach keine Lust habe, abends nochmal loszugehen, nasse Füße zu bekommen und schlimmstenfalls keinen freien Computer oder Kabelanschluß zu finden.



Diese Woche ist spannend, wir haben am Montag unsere Klienten kennengelernt und die eigentliche Arbeit angefangen. Schule ist von 9 – 6 oder von 11 – 8, aber nun nur noch Montag - Donnerstag.
Ich bin froh, freie Freitage zu haben, denn mit Unterricht und Vor- bzw Nachbereitung war kaum Zeit für etwas anderes und die Wochenenden vergingen viel zu schnell.

Als eine der wenigen hier, die sich wenigstens etwas verständlich machen können, habe ich zwei Klienten bekommen, die überhaupt kein Englisch sprechen. Ich versuche es mit Spanisch und ein paar Brocken Portugiesisch, damit hatte ich schon beim Einkaufen im Ort Erfolg.
Blöderweise verstehe ich die Antworten oft nicht. Portugiesich scheint komplizierter als Spanisch zu sein…

Meine Mitschüler haben ähnliche Probleme, manche können sich nur mit Hilfe der Lehrer zum Übersetzen verständlich machen und benutzen ansonsten die paar Vokabeln Portugiesisch, die wir im Unterricht geübt haben.

Als zusätzliche Komplikation sind wir alle zusammen in einem Raum, 12 Schüler, 12 Klienten, 3 Lehrer und manchmal noch 1-2 Leute, die beim Übersetzen helfen.
Trotz allem kommen wir ganz gut zurecht, es wird viel gestikuliert und gelacht.

Mein Mitbewohner Alan und ich haben beim Mittagessen die Kochrezept-Analogie entwickelt:
Angenommen, wir haben dieses wunderbare Rezept für ein festliches Essen. Die Zubereitung haben wir geübt, nur unter ganz anderen Umständen.

Hier müssen wir improvisieren. Wir haben nicht einmal alle nötigen Zutaten.
Natürlich würde das Essen mit einem besseren Herd, mehr Töpfen und den richtigen Gewürzen besser schmecken, aber wir sind zuversichtlich, daß alle satt werden.
25.10.07 22:40


Am Strand in Brasilien

Nein, nicht auf Urlaub. Fortbildung.

Die brasilianische Seite tu ich Euch lieber nicht an, die ist auf Portugiesich - und das verstehe ich auch nicht.

Rolfing Teil 3

Das ist die amerikanische Seite, es gibt auch einen Link zur deutschen. Ja, ich koennte die Kurse auch in Muenchen machen - aber mir ist Strand lieber als Berge und die Preise hier sind auch ertraeglich.

Das Kaff hier nennt sich Barra do Sahy, und Ihr koennt es z.B. auf
Google Maps finden:

Barra do Sahy, São Sebastião - SP, Brasil

Etwas rueckstaendig hier alles, deshalb muss ich auch aufhoeren zu schreiben, mein Mitbewohner Alan ist schon ganz ungeduldig, er will auch mal an den Computer.
Es gibt nicht viele Gelegenheiten, ins Netz zu kommen...

aber ich werde mir Muehe geben und bald auch ein paar Photos hochladen!
15.10.07 22:30


in trouble




ernsthaft.

außerdem geschäftspläne mit meinem mitbewohner hier...
bodyworks/healthfood business in orlando mitte/ende nächsten jahres, wo zufällig auch die liebste wohnt

im juli komme ich erstmal auf heimaturlaub, bevor ich irgendwelche entscheidungen treffe...
und ich versuche, die liebesgeschichte aus der geschäftsplanung herauszuhalten, nicht daß ich mich noch von hormonen zu vertragsunterzeichnung hinreißen lasse...


verwirrend, das ganze. aber mir gehts sehr gut und zunächst freu ich mich auf zu hause.

vermisse alle meine lieben und liebsten nämlich sehr.
14.6.07 18:57


Dangers of the Beach

Ich mag das Meer. Generell. Lieber mehr Meer als traumhaft weißer Sand. Der Golf hier an der Westküste Floridas ist meermäßig enttäuschend, dafür aber sind die Sonnenuntergänge phänomenal.

Das Wasser ist etwas zu warm, jetzt schon. Einfach zu flach. Ich kann hundert Meter weit rausschwimmen, aber immer noch den Grund berühren. Für manche hier ist das besonders gut.

Jenn rief mir zu: "Can you touch?" Ich war schon etwas weiter draußen, streckte ein Bein nach unten, reckte die Zehen und schrie zurück, daß ich endlich nicht mehr drankomme.
"Aren't you scared?" - sie blieb, wo sie war, traute sich nicht weiter raus.

Nein, natürlich fürchte ich mich nicht. Ich schwamm zurück und erklärte, mir mache es eher Angst, nicht zu wissen, was sich im Sand unter mir versteckt.
Hier gibt es Rochen, die üble Wunden verursachen, wenn man in den Stachel tritt, und natürlich alles mögliche an Getier, das einfach nur eklig ist. Glasscherben und anderer Müll machen mir auch Sorgen.

Steilküsten sind mir am liebsten, eine ruhige Stelle, wo ich leicht ins Wasser und sicher wieder herauskomme, und dann steil abfallender Grund, unergründliche Tiefen, über denen ich dahindriften kann – es ist fast wie Fliegen.
Ich weiß nicht warum, aber es beruhigt mich, möglichst viel Wasser um mich zu haben.

Wenn schon Strand, dann am liebsten mit richtigen Wellen. An der Pazifikküste in Guatemala war es an manchen Tagen ein Abenteuer, herauszuschwimmen. Die Wellen drückten mich immer wieder unter Wasser, preßten mich manchmal tief in den dunklen Sand, wirbelten mich umher, bis ich nicht mehr wußte, wo oben und unten war.

Nur ein paar Meter weiter draußen sind die Wellen harmlos, ich kann mich bequem auf das Wasser legen und mich schaukeln lassen, ausruhen für den anstrengenden Weg zurück an Land.

Vielleicht sollte ich manchmal Angst haben, es gibt Strömungen, die mich weit hinaustragen könnten.
Auch hier am Golf – es gibt Ebbe und Flut, und eine relativ starke Strömung südwärts, manchmal schwimme ich gegen sie an, den Strand zu meiner Rechten. Es ist anstrengend, überhaupt von der Stelle zu kommen, und wenn die Flut zuende geht, zieht das Meer mich auch etwas vom Strand weg.

Gestern wurde jemand von einem Hai gebissen. Nur ein Probehappen, er schmeckte wohl nicht, anscheinend brauchte es nur ein paar Stiche beim Notarzt und alles war in Ordnung. Seit 1880 das siebte Mal, das hier jemand von einem Hai verletzt wurde. Haie mögen den Golf nicht. Zu flach.
Natürlich war es ein Tourist aus Europa. Amerikanische Touristen planschen nur ein wenig im Wasser, wenn sie überhaupt ihre Strandtücher verlassen, sie schwimmen nicht hinaus. Soo weit draußen war er auch nicht, er konnte noch stehen.

Mir sagen die Leute, ich müsse vorsichtiger sein beim Schwimmen. Vielleicht haben sie Recht. Bloß hatte ich im Wasser noch nie ein Problem.

Letzte Woche bin ich in eines dieser hübschen Schneckenmuscheldinger getreten, die gern von Einsiedlerkrebsen benutzt werden. Später sieht man sie dann - aus dem Urlaub mitgebracht - in Omas Regal liegen. Manchmal werden sie an die Ohren der Enkel gedrückt, und Oma erklärt, man könne noch das Meer rauschen hören.

Meines war noch in der Prä-Einsiederkrebs-Phase. Vom Bauherrn selbst bewohnt. Ich weiß nicht genau, was das für Tiere sind, eine Art Deckel am Eingang war fest geschlossen, als ich es aus dem Sand zog. Natürlich hatte das spitze Ende senkrecht nach oben geragt, als ich meine Ferse hineinrammte. Ich glaubte zu spüren, daß Schneckenhaus auf Knochen knirschte.
Jenn war entsetzt, als ich es wieder ins Wasser warf. Es könne ja noch jemand hineintreten. Was sollte ich denn tun? Verotten lassen für Omas Regal?

Ich hinterließ scharlachrote Spuren, die mich an "American Beauty" erinnerten. Genau dieser Rotton. Die Szene am Schluß, der Kopf des Mannes in seinem Blut liegend, einer großen Lache auf dem Küchentisch. Die Farbe ist wunderschön. Sieht auch gut aus auf weißem Sand.
9.5.07 23:32


road rage

Normalerweise sind das die Wutanfälle, die US-amerikanische Autofahrer im Stau bekommen - denn sonst können sie ja nie ihren Frust loswerden, vor lauter Freundlichkeit.

Meine spezielle Form von "road rage" befällt mich eher, weil Leute, die sich sonst nie trauen, mal ehrlich ihre Meinung zu sagen, diese auf ihr Auto kleben.

Da lese ich dann "Marriage: one Man, one Woman"
und es geht los. An der nächsten Ampel bin ich kurz davor, rauszuspringen, nach vorn zu rennen, ans Fenster zu klopfen und, so wie es einen Spalt offen ist ,"why don't you care more about your own marriage and let others live in peace, freaking fundamentalist?" zu brüllen.

Aber schlimmer als die christlichen Fundamentalisten sind die Heuchler.

Meine zweitschlimmste "road rage"- Episode hatte ich, während ich auf "Abortion stops a beating heart" starren mußte. Im Stau.
Ich hatte also Zeit genug, mir Verbalattacken auszudenken.
Zum Beispiel sehr höflich zu fragen, ob man denn konsequent genug sei, rein vegan zu leben - damit ja keine schlagenden Herzen unterbrochen werden.
Ich könnte auch zum nächsten Supermarkt hinterherfahren und eine Riesendiskussion darüber anfangen, ob das Rinderherz denn weniger schützenswert sei als das des Embryo.

Am allerschlimmsten aber war der gleiche Aufkleber "Abortion stops a beating heart" direkt neben "Support our Troops in Iraq".

Hypocrites.
27.4.07 02:37


"I'll ask Tom...

... to take me to XY-restaurant and bar tonight!" (begeisterte Frauenstimme, nachdem ihr die Freundin von der großartigen Kneipe erzählt hat, in die ihr Dick oder Harry sie letztens geschleppt hat).

Radiowerbung für XY.
Und ein perfektes Beispiel für den völlig offensichtlichen Sexismus hier. Es geht mir auf die Nerven.

Es ist die ganze Zeit so. Männlein und Weiblein gehen aus, und es ist IMMER "him taking her to XY". Auch wenn es ihre Idee ist.
Dann fragt sie ihn eben: Could you take me to XY pleeeeeeeeeease?

Ich kann ja inzwischen nicht mehr normal Türen öffnen. Nähere ich mich einer, schau ich mich vorsichtshalber erstmal um, damit ich nicht den Typ anrempele, der immer hinspringt, um sie mir aufzuhalten.

Völlig normale, intelligente junge Frauen weigern sich komplett, eigene Entscheidungen zu treffen. Es wird von den Männern erwartet, für die Frauen zu sorgen.

Die können im Gegensatz dazu dann herumnörgeln, wenn es ihnen nicht gefällt.

Finden anscheinend alle super so. Die Kerle können sich einbilden, die Größten zu sein, und die Frauen sind nie schuld.

Kotzt mich an.

Nix gegen Rollenspiele, aber doch nicht im Alltag.
27.4.07 02:14


"Why do you have to go away?"

fragt mein Betreuungskind (4).
Weil ich mir gern andere Laender ansehe. Und Guatemala ist wunderschoen. Ich moechte auch gern besser Spanisch sprechen lernen, das kann ich dort gut ueben.
- Spanisch kannst Du hier auch ueben. So viele sprechen hier Spanisch. Manche sprechen gar kein Englisch. Und schoen ist es hier auch. Hier machen viele Leute Urlaub. Wenn meine Schwester aus der Schule kommt, kann sie Dir auf dem Computer ein Programm zeigen, da kannst Du hier bei uns Spanisch ueben.

Ich seufze. Sie auch.
- Ich werde Dich vermissen.

Aber ich komme doch wieder, in ein paar Wochen. Weisst Du noch, im Februar? Da war ich auch ganz lange weg, und dann kam ich wieder.

Als ich im Januar anfing, immer mal auf sie und ihre Schwester aufzupassen, hat mir Sydni zuerst beigebracht, wie ich den Namen zu buchstabieren habe. Das ist naemlich anders als bei der Stadt.
Als ich im Maerz wieder da war, reagierte sie wie eine Katze, die man vernachlaessigt hat. Sie hat mich nicht beachtet, nicht reagiert, wenn ich sie ansprach, aber pausenlos gestarrt.
Nach einer Weile habe ich gesagt, das wuerde mich verunsichern.
Nach ein paar Tagen habe ich gesagt, ich koenne verstehen, dass sie erstmal misstrauisch ist.
Aber da meinte sie schon, das waere sie nicht mehr.
Inzwischen sind wir beste Freundinnen, aber nun verlasse ich sie wieder.

- Habe ich Dich angestarrt?

Nein, das hast Du lange nicht gemacht.

- Ich habe mir auch Muehe gegeben. Ich hab Dich lieb.

Und da soll mich nochmal jemand fragen, warum ich keine Kinder habe.
31.3.07 00:40


a nice long walk spoiled by a small white ball

sagen die Englaender.

In Florida ist das natuerlich anders. Da ist auf den Golfplaetzen Gehen verboten. Man muss diese laecherlichen Karren benutzen.
Die gesundheitsbewussten Floridians (Uebergewicht sehe ich hier in der Reiche-Leute-Gegend seltener als in Deutschland) bezahlen dann das Fitnesscenter, um dort auf Laufbaendern (treadmill=Tretmuehle) Power-Walking zu betreiben. Denn gehen ist ja gesund.

Golf spielen sie aber auch alle. Alle. Gestern sagte einer, wenn ich kein Golf spiele, muesste ich ja in Naples vor Langeweile umkommen.

Im Sommer ist es angeblich zu heiss, um auf dem Golfplatz herumzulatschen. Haben die kleinen Autos A/C? Wahrscheinlich gibt es bald 9-Loch-Plaetze ohne Elektrokarren, mit Power-Walking, aber ueberdacht und natuerlich mit Klimaanlage. Wuerde mich nicht gross wundern, wenn es sie jetzt schon gaebe.

Ueber die entsetzliche Hitze und Luftfeuchtigkeit im Sommer wird viel erzaehlt. Momentan ist das Wetter ja auch perfekt, darueber kann man nicht viel reden. "Schoener Tag, nicht?" - "Ja, super. Wie gestern auch. Und letzte Woche. Und die davor. Hast Du den Sonnenuntergang gesehen?" - "Ja, grossartig. Wie gestern und vorgestern...".
Sommer dagegen gibt viel her als Gespraechsthema im Supermarkt. Sogar jetzt schon. Die meisten hassen es. Wer es sich leisten kann, zieht im Mai oder Juni gen Norden.

Im August hat Naples mehr Golfplaetze als Einwohner.
31.3.07 00:16


5.3.07 19:21


4.3.07 20:03




nein, es stinkt nicht.
wahrscheinlich hatte ich da schon Bauchschmerzen.


Bin wieder in Florida, blöderweise habe ich Amöben eingeschleppt, die ich jetzt langsam wieder loswerde.
Unangenehme Sache, das.

Dank Antibiose gehts mir schon viel besser... Freitag war schlimm.

Nicht zu Spaßen mit Tropendurchfallerkrankungen... nee neee.
4.3.07 19:54


guate - buena!

sorry, groesstenteils aus einer mail kopiert... sonst sitze ich hier noch vier stunden.....

das Internet ist nervtoetend langsam, aber immerhin vorhanden.

Wir sind am Lago Atitlan, in einem kleinen Ort namens San Marcos. Vor drei jahren musste man noch ein Boot zum naechstgroesseren ort nehmen (jetzt funktionieren die grossbuchstaben nicht mehr richtig) nun gibt es internetanschluss direkt neben meinem lieblingshotel "la paz"

wir sind etwas laenger geblieben als zunaechst geplant, weil wir hier sehr guten spanischunterricht bekommen. fuer lachhafte 30 quetzales pro stunde. nicht mal drei euro.
natuerlich ist das erstklassiger einzelunterricht mit einem sehr sympathischen, didaktisch geschickten, vielseitig gebildeten lehrer aus dem nachbarort, der extra ins hotel kommt.
am mittwoch fahren wir wieder zu meinem cousin in die graessliche hauptstadt, lassen unsere waesche waschen (das darf man da nicht allein machen, nein, nein. waere eine schande fuer die haushaelterin)

am wochenende machen wir dann zusammen einen ausflug nach samuk champei, angeblich der zweitschoenste ort in guatemala. malte und ich fahren dann gleich weiter zum rio dulce, zum karibischen teil guatemalas.
am ersten maerz fliegt er dann wieder nach hause und ich auch - nach florida.

uebrigens wird malte mit seinem sohn zusammen in den osterferien nochmal mit mir urlaub machen - erst dachten wir ja, wir treffen uns in USA, aber nun meint auch malte, guatemala habe eindeutig mehr zu bieten... das sage ich ja schon lange.... also habe ich gar nicht erst gelegenheit, mein spanisch zu vergessen... und wir muessen nicht von einer sehenswuerdigkeit zur naechsten rennen

die tastatur nervt mich sehr. dauernd klemmt irgendetwas. normalerweise haette ich laengst den laden verlassen - aber ich weiss ja, dass es etwas besseres nur in antigua gibt... und das auch erst seit kurzem.
der wirtschaftliche aufschwung guatemalas ist ueberall offensichtlich. es ist sehr schoen zu sehen, dass sich langsam ein mittelstand entwickelt, vor allem mit hilfe des tourismus.

gestern haben wir einen jungen medizinstudenten kennengelernt, der hier im ort gerade die erste spanischschule eroeffnet. sehr findiger junger mann, erst anfang zwanzig, war zuerst reisefuehrer und hat sich so nach und nach auch sprachschueler organisiert. ausserdem hat er das glueck gehabt, eine reisegruppe aus USA kennenzulernen und so einen kontakt zu einer universitaet herzustellen, die grosses interesse haben, medizinstudenten hierher zu schicken, damit sie spanisch lernen. klar, wer in den USA als arzt im krankenhaus staendig mit den ganzen latinos zu tun hat, die kaum englisch koennen....

es gibt viele solche beispiele, und wer zu ein wenig geld kommt, sieht zu, anderen zu helfen, ihnen jobs zu verschaffen, projekte zu unterstuetzen, schulen besser auszustatten usw.

Pedro, besagter jungunternehmer arbeitet in seiner freizeit im nachbarort in einer klinik fuer beduerftige; sie organisieren nicht nur dringend benoetigte medikamente, sondern beobachten auch welche krankheiten haeufig sind und versuchen dann direkt durch aufklaerung und hilfsmittel wie wasserfilter, oefen mit rauchabzug nach draussen, die die leute zum bruchteil des normalen preises gleich in der klinik kaufen koennen, zu helfen.
die haeufigsten probleme sind naemlich durch verunreinigtes wasser, das nicht abgekocht wird (um feuerholz zu sparen) und den rauch von den kochfeuern, die oft mitten im haus ohne abzug brennen, hervorgerufen.

die unterhaltung war sehr interessant, Pedro hat auch sichtlich spass daran, fragen zu beantworten und nicht etwa versucht, spenden einzutreiben.

wenn man auf der strasse nach spenden fuer kliniken oder waisenhaeuser gefragt wird (kommt erfreulich selten vor) ist es eigentlich immer betrug. ich erkundige mich dann einfach nach der adresse des projekts, sage, dass ich morgen zeit haette, und es mir gern ansehen wuerde. dann kommt noch eine ausrede, dass sie schon morgen sehr frueh geld fuer einkaeufe brauchen, ich sage, gut, aber ich gebe nichts, wenn ich es nicht gesehen habe. fall erledigt.

besagter Pedro spricht auch sehr gutes englisch und als dritte fremdsprache die oertliche mayasprache. die meisten hier lernen spanisch als fremdsprache, bei ihm war es umgekehrt, weil er ¨Kiche¨(eine von ueber zwanzig grundverschiedenen mayasprachen) braucht, um den Leuten zu erklaeren, warum sie ihr Wasser filtern sollen, um keine Bauchschmerzen mehr zu bekommen.
er meint, wenn man erklaert, sind die leute aufgeschlossen gegenueber neuerungen, vor allem wenn sie merken, dass der neue ofen tatsaechlich die luft verbessert und auch noch viel weniger holz braucht, oder dass die kinder nicht mehr staendig krank sind.

inzwischen kann ich mich hier ganz gut mit vielen leuten auf der strasse verstaendigen, und ich finde es sehr interessant, eine so junge, aufstrebende, noch kaum regulierte oekonomie in der entstehung zu beobachten.
die indigenas sind touristen gegenueber schon viel neugieriger und mitteilsamer als vor drei jahren, als sie entweder unterwuerfig um geld jammerten oder sich schweigend abwandten.

was mir hier sehr gefaellt, ist dass sich traditionen erhalten, nach bedarf abgewandelt werden, die alten trachten getragen werden, solange es praktisch ist, bilunguale kindergaerten eroeffnet (mit spanisch und der oertlichen mayasprache)
beispielsweise sieht man maedchen in klassischer indigena-tracht im laden arbeiten oder verwandte besuchen, am naechsten tag aber laermend mit den jungs fussball spielen, in sportklamotten.
auch das habe ich vor drei jahren noch nicht gesehen.

gestern abend hat mir eine alte frau sogar ein paar worte in Kiche beigebracht, eine seltsame Sprache mit vielen Konsonaten, die fast ausgespuckt klingen. Manche Worte werden sogar von Schnalz- und Klicklauten unterbrochen.
zu meiner schande muss ich gestehen, ich habe alles vergessen.

grosse hotels und supermaerkte habe ich nur in der hauptstadt gesehen, der eher alternative individualtourismus funktioniert als direkte entwicklungshilfe, die wunderschoenen flecken rund um den Lago Atitlan werden anscheinend nicht mit Hotels und ferienwohnungen zugebaut.

gebaut wird trotzdem ueberall, anbauten an bestehende haeuser, neue kleine familienbetriebe wie restaurants, hotels und tante-emma-laeden, die meisten hier am see werden von indigenas gefuehrt.

so, langsam werden mir die finger lahm. ich koennte natuerlich noch viel mehr erzaehlen, aber das tippen faellt schwer...

natuerlich ist auch der schlechte stil nur der tastatur zuzuschreiben.....

kuesse aus der ferne

Lucia
20.2.07 01:09


fuesse verbrannt

beim tanz auf dem vulkan

naja.. fast. viel und gut schreiben kann ich hier nicht, die tastatur ist ein graus, ausser punkt und komma nichts zu finden

ABER ich wollte doch mitteilen, dass wir als erstes grossartiges Erlebnis in Guatemala einen aktiven Vulkan beim Ausbruch bestiegen haben.
Das finden sie alle hier nicht so aufregend wie wir Touristen, schliesslich wissen ja alle, wo die Lava langfliesst... und solange sie das stetig tut, ist niemand besorgt.

Wir standen AUF der grade einen Tag alten Lava, neben uns gluehte es noch (wir waren abends dort) in den Vertiefungen. Oder wir mussten ueber kleine Schluchten springen, unter uns, nur einen Meter tiefer, die Glut.

Der Lavastrom war auch nur zwanzig Meter entfernt von der Stelle, wo es viel zu riskant zum Weitergehen war.

Maltes Gummisohlen jedenfalls haben sehr gelitten.

Filmchen folgt, wenn ich mal an einen besseren Rechner gerate...

Nun ist es auch heiss, aber wie es sich gehoert, kommt die Hitze von der Sonne und wir koennen uns im Meer abkuehlen.
7.2.07 20:49


americans don't like dishwashers

Hier gibt es viele seltsame Phänomene: im Nachmittagsfernsehen spritzt das Blut, fliegen die Körperteile nur so durch die Gegend, eine nackte Brust dagegen wird zum Schutz der Jugend überblendet.

In manchen Staaten kann man mit 14 heiraten - um darauf einen zu trinken, muß man aber noch sieben Jahre warten.

Eine Massagelizenz für New York bekommt man nur, wenn man mindestens 1000 Stunden Unterricht nachweisen kann - wohlgemerkt, nur für entspannende Massagen, keine Chiropraktik, keine Akupunktur, keine Diagnosen.
Zum Autofahren muß man nur einen sehr kurzen, lächerlichen theoretischen Test, den man beliebig oft wiederholen kann, absolvieren, und den Prüfer einmal um den Block fahren.

Ein 17-jähriger wurde aus der Drogerie geworfen, er sei zu jung, um Kondome zu kaufen.
Er muß nur bis zu seinem Geburtstag warten, dann hat niemand etwas dagegen, wenn er sich eine Automatikpistole zulegt.

Und US-Amerikaner haben ein sehr seltsames Verhältnis zu ihren Geschirrspülmaschinen. Natürlich gehören sie zur Küchengrundausstattung. Es benutzt sie nur niemand.
Niemand. Meinem Mitbewohner habe ich es inzwischen beigebracht - und bei ihm habe ich auch gesehen, warum die meisten es viel zu umständlich finden, ihr Geschirr in die Maschine zu stellen:
sie spülen es vorher von Hand.

Es hat eine Weile gedauert - inzwischen läßt er nur noch Wasser darüberlaufen. Vorher hat er Handspülmittel und einen Schwamm benutzt.
23.1.07 22:51


You're German? Great!

Im Deutschen sind Anglizismen nicht besonders beliebt.
Es gilt als schlechter Stil, englische Worte zu verwenden, wenn man es doch genauso gut oder präziser auf Deutsch sagen kann.

Hier staune ich immer wieder über Germanismen. Angeblich hat die englische Sprache schon doppelt so viele Worte wie die deutsche - und sie bekommt ständig mehr.

Viele wissen nicht einmal, daß sie deutsche Ausdrücke benutzen:
"Gesundheit!" sagte ein Mitschüler, als ich herzhaft niesen mußte.

"Danke!" sagte ich, ebenfalls auf Deutsch. Er glotzte nur verständnislos. "Danke," wiederholte ich, dann auf Englisch: "Ich dachte, 'Danke' verstehst du, wenn du schon "Gesundheit" sagst."
"'Gesundheit'? Ich sage 'Gesundheit', wenn jemand niest."

"Ja," sagte ich, "hab ich gemerkt. Ist das dein einziges deutsches Wort?" "Deutsch?" fragte er. "Ist das Deutsch? Ich dachte, das wäre einfach viel cooler als 'bless you'. Es klingt so gebildet."

Genau wie "spiel", "angst", "dreck", "verboten", "zeitgeist", und mein neuester Germanismus: "schlep".
Habe ich in einer Werbeanzeige gefunden:
"...everything you schlep around...".
Kennt Ihr mehr? Und kommt mir nicht mit "Kindergarten"....


Übrigens, während ich dies schreibe, merke ich, welche Worte schon länger im Englischen verwendet werden, denn mein Browser korrigiert meine englische Rechtschreibung. Wenn ich deutsch schreibe, gibt es rote Pünktchen.

"Schlep" ist anscheinend nicht so neu wie ich dachte. Steht im Wörterbuch.

"Spiel" wird schon so lange verwendet, daß die Bedeutung eine völlig andere geworden ist: so etwas wie eine kurze Routine, meistens verwendet für die immer gleichen Erklärungen oder Dialoge. Hat mit "spielen" nichts zu tun.
Teilweise sogar mehr mit streiten: "... it's always the same spiel in our arguments...".

In Büchern und Zeitschriften fällt mir auf, daß vor allem junge Autorinnen und Autoren deutsche Worte verwenden.

Deutsch ist cool.
21.1.07 22:26


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